60 Millionen in 20 Stunden: Wie ein namenloses Fork-Projekt Anleger noch vor dem Start ausraubte (AnubisDAO)
AnubisDAO hatte weder eine Website noch ein Whitepaper noch ein Team mit Namen – nur die Idee eines Forks von OlympusDAO und einen aktiven Discord-Chat voller Enthusiasmus. In 20 Stunden Verkauf des Tokens ANKH sammelte das Projekt 60 Mio. US-Dollar, die noch am selben Tag zusammen mit den Gründern verpufften – die Liquidität wurde auf eine andere Wallet abgezogen. Es ist einer der schnellsten und in seiner Struktur unsinnigsten Rug Pulls in der Geschichte von DeFi: Die Anleger übergaben ihr Geld einem Projekt, das nicht einmal dazu kam, ein einziges Produkt vorzuweisen.
OlympusDAO, dessen Idee AnubisDAO inspirierte, galt zu jenem Zeitpunkt als innovatives Modell einer "Reservewährung", das durch eine eigene Staatskasse gedeckt war, die sich aus dem Verkauf von Bonds und Gebühren aus Liquiditätspools speiste. AnubisDAO versprach, dieses Modell zu wiederholen, jedoch ohne jegliches technisches Fundament – es gab weder ein Code-Audit noch ein geprüftes Team noch auch nur eine grundlegende Beschreibung des Funktionsmechanismus des Protokolls. Dennoch erlaubte das Vertrauen der Community, angeheizt vom allgemeinen Rummel um die Olympus-Forks im Herbst 2021, für den Token ANKH 13.597 ETH zu sammeln – zu jenem Zeitpunkt rund 60 Mio. US-Dollar – in gerade einmal 20 Stunden Verkauf.
Der kritische strukturelle Fehler bestand darin, dass die vollständige Kontrolle über den gemeinsamen Liquiditätspool eine einzige Wallet des Entwicklers erhielt, statt über eine Multisignatur verteilt oder durch einen Smart Contract gesperrt zu sein. Etwa 20 Stunden nach Verkaufsstart wurden diese Gelder auf eine andere, fremde Wallet überwiesen. Der Token ANKH wurde praktisch augenblicklich wertlos.
In der Discord-Community des Projekts begannen gegenseitige Anschuldigungen und Versuche herauszufinden, wer genau Zugriff auf den Pool hatte; eines der Teammitglieder erklärte öffentlich, Opfer eines Phishing-Angriffs geworden zu sein, infolgedessen es angeblich die Kontrolle über die Gelder verloren habe. Medienberichten zufolge schalteten sich die Strafverfolgungsbehörden von Hongkong und der USA ein, doch eine offizielle Feststellung einer Identität oder eine Anklage wurde nicht veröffentlicht – die Entwickler blieben anonym.
Die Gelder auf der Wallet, auf die die Liquidität abgezogen worden war, wurden erst acht Monate nach dem Vorfall zum ersten Mal bewegt – doch dies führte weder zu einer Rückerstattung der Gelder an die Anleger noch zur Identifizierung der Schuldigen. Der Fall AnubisDAO bleibt bis heute unaufgeklärt.
Veröffentlicht am 12. August 2024
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