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Zwanzig Jahre Lüge: Wie der Chef von Peregrine Financial 13.000 Trader bestahl (PFGBest)

Russell Wasendorf Sr. fing persönlich die Post der Wirtschaftsprüfer ab, damit diese niemals die echten Kontoauszüge seines Unternehmens zu Gesicht bekamen — und das tat er zwanzig Jahre lang ununterbrochen. Die Peregrine Financial Group, den Kunden besser bekannt als PFGBest, galt über Jahre als einer der stabilsten unabhängigen Futures-Broker der USA. Als das System im Sommer 2012 endlich in sich zusammenfiel, fehlten in der Kasse 215,5 Millionen US-Dollar der ausgewiesenen über 220 Millionen US-Dollar an Kundengeldern. Tausende Trader, die dem Unternehmen ihre Einlagen anvertraut hatten, erfuhren vom Ausmaß der Katastrophe an demselben Tag, an dem der Firmengründer selbst versuchte, sich das Leben zu nehmen.

Die Peregrine Financial Group wurde von Wasendorf gegründet und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem der führenden unabhängigen Futures-Broker des Landes — einem Mitglied der National Futures Association (NFA) und einem bei der CFTC registrierten Unternehmen. Nach den Regeln der Branche müssen Kundengelder auf Futures-Konten getrennt von den Betriebsmitteln der Firma verwahrt werden — eine Grundanforderung, die Trader für den Fall von Problemen beim Unternehmen selbst schützen soll. PFGBest demonstrierte öffentlich die Einhaltung dieser Anforderung und durchlief regelmäßig Prüfungen der NFA und der CFTC.

In Wirklichkeit umging Wasendorf diese Anforderung fast zwanzig Jahre lang methodisch. Er fing persönlich die Anfragen zur Bestätigung der Kontostände ab, die die Prüfer der NFA und der CFTC direkt an die Bank des Unternehmens sendeten, änderte die Korrespondenzadresse der Bank in ein Postfach, zu dem nur er selbst Zugang hatte, und fertigte anschließend eigenhändig gefälschte Kontoauszüge mit überhöhten Beträgen an und schickte sie an die Aufsichtsbehörden zurück. Das System funktionierte zwei Jahrzehnte lang nahezu störungsfrei, da kein einziger externer Prüfer die Daten jemals direkt mit der Bank abglich.

Die Auflösung kam am 9. Juli 2012 — an demselben Tag, an dem die NFA meldete, dass bei PFG mindestens 200 Millionen US-Dollar an Kundengeldern fehlten. Wasendorf unternahm nahe dem Firmenbüro einen Suizidversuch, überlebte und hinterließ einen Abschiedsbrief mit dem Geständnis der zwanzigjährigen Machenschaften. Die CFTC reichte Klage gegen ihn und das Unternehmen ein und warf ihm Betrug, Veruntreuung von Kundengeldern, Verstoß gegen die Anforderungen zur Kontentrennung sowie die Angabe falscher Informationen gegenüber den Aufsichtsbehörden vor.

Im September 2012 bekannte sich Wasendorf der Unterschlagung von 215,5 Millionen US-Dollar von über 13.000 Kunden über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren für schuldig. Im Januar 2013 verhängte das Gericht gegen ihn die höchstmögliche Strafe — 50 Jahre Haft — und verpflichtete ihn zur Zahlung von 215,5 Millionen US-Dollar Schadenersatz, obwohl die Richterin sogleich anmerkte, dass die Kunden ihr Geld wohl kaum jemals vollständig zurückerhalten würden.

Warum das wichtig istDas Vertrauen in eine Marke und der langjährige Ruf eines Gründers sind kein Beweis für die Sicherheit des Geldes. Der einzige wirkliche Schutz ist eine unabhängige Verifizierung des Kontostands über eine Quelle, die der Broker physisch nicht kontrollieren kann. Wexcel Law empfiehlt Mandanten, eine direkte Bestätigung der Kontostände von der Bank oder dem Verwahrer zu verlangen und sich nicht auf die vom Broker selbst gelieferten Auszüge zu verlassen — genau dieser Schutz fehlte den Opfern von PFGBest.

Veröffentlicht am 26. Oktober 2020

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